Das Stechen läuft bereits.
Zwanzig Sekunden für fünf Schuss.
Sein Puls hämmert längst nicht mehr nur in der Brust. Er sitzt inzwischen überall. In den Armen, in den Händen. Selbst beim Nachladen wirkt jede Bewegung bewusster als sonst.
Neben ihm fallen die Probeschüsse seines Gegners. Er selbst bleibt sitzen. Atmet und geht den Ablauf wieder und wieder im Kopf durch: Stand – Griff – Doppelatmung – Kimme – Korn. Und trotzdem drängt sich ein Gedanke nach vorne, den viele Sportschützen nur zu gut kennen: Warum tue ich mir das überhaupt an?
Dabei ist Druck eigentlich nichts Neues für ihn. Als Unternehmer führt er seit Jahren einen erfolgreichen Betrieb, trifft Entscheidungen, trägt Verantwortung für Mitarbeiter und gilt als jemand, der selbst in stressigen Situationen ruhig bleibt.
Doch ausgerechnet im Schießsport begann etwas, das ihn völlig irritierte.
Denn je besser er wurde, desto unruhiger wurde sein Kopf.
(Die Geschichte in diesem Artikel basiert auf den echten Erfahrungen eines Sportschützen aus dem MentalHouse Club.)
Inhaltsverzeichnis
Viele Sportschützen erleben genau diesen Punkt irgendwann. Am Anfang läuft vieles erstaunlich leicht. Der Kopf ist frei, das Schießen macht Spaß, Wettkämpfe fühlen sich spannend an. Doch mit den Ergebnissen verändert sich oft auch etwas anderes, nämlich der innere Druck.
Auf einmal hängt am nächsten Schuss viel mehr dran. Und zwar Erwartungen, Ringzahlen und Meisterschaften. Vor allem aber auch der Gedanke, die eigene Leistung bestätigen zu müssen.
Exakt das macht den Schießsport mental so besonders.
Warum sich Druck im Schießsport anders anfühlt
Denn anders als in vielen anderen Sportarten lässt sich Nervosität hier kaum verstecken. Du läufst sie nicht weg. Du kannst sie nicht überspielen. Sie steht mit dir am Stand, direkt zwischen dir und dem nächsten Schuss.
Von außen wirken viele Sportschützen zwar ruhig. Fast regungslos. Innen sieht das meist aber völlig anders aus.
Der Puls wird zu laut. Gedanken laufen voraus. Und kurz vor dem Schuss fühlt sich etwas, das im Training selbstverständlich war, unerwartet kontrolliert an. Je mehr man versucht, diesen Moment festzuhalten, desto weniger natürlich wird der Ablauf.
Und genau hier kippt es bei vielen Sportschützen langsam.
Das ist nicht bewusst und oft auch nicht sofort spürbar.
Viele versuchen dann einfach, wieder Sicherheit zu bekommen. Sie wollen ruhiger werden, sauber abziehen, bloß keinen schlechten Schuss machen. Und je wichtiger der Wettkampf wird, desto stärker wird der Wunsch, alles kontrollieren zu können.
Nur entsteht dabei häufig genau das, was eigentlich vermieden werden soll. Der Ablauf wird enger, schwerer und der Finger vorsichtiger. Der Schuss „steht“ länger. Bewegungen, die im Training flüssig waren, fühlen sich schlagartig anstrengend und bewusst an. Manche beschreiben es später so, als würden sie sich selbst beim Schießen zuschauen.
Auch der Sportschütze aus unserer Geschichte kannte genau das. Obwohl er weiterhin gute Ergebnisse schoss, wurde der innere Druck größer. Die Nervosität verschwand auch nicht mit der Erfahrung. Denn mit jeder Meisterschaft wuchs das Gefühl, jetzt liefern zu müssen.
Irgendwann begann er vor Wettkämpfen kaum noch darüber nachzudenken, wie er gut schießen kann, sondern nur noch darüber, wie er die Anspannung endlich in den Griff bekommt.
Und an dem Punkt kam für ihn das Mentaltraining ins Spiel.
Was sich vor der Bayerischen Meisterschaft mental verändert hat
Die Bayerische Meisterschaft bedeutete ihm enorm viel. Daran hatte sich nichts geändert. Aber sein Fokus begann sich langsam zu verschieben. Weg von Ringzahlen, Platzierungen und der Frage, wie ruhig er sich gerade fühlt. Hin zu seinem Ablauf.
Jeden Abend ging er den Wettkampf im Kopf durch. Vom Betreten des Standes bis zum letzten Schuss. Immer wieder dieselben Bewegungen, dieselbe Reihenfolge und der serselbe Rhythmus.
Zwar blieb der Puls. Auch die Zweifel meldeten sich weiter. Aber sie bestimmten nicht mehr alles.
Vor Wettkämpfen beobachtete er sich nicht mehr permanent selbst. Stattdessen richtete er seine Aufmerksamkeit stärker auf Dinge, die ihm Halt gaben. Etwa den nächsten Atemzug, die Griffhaltung, seinen Ablauf und die nächsten wenigen Sekunden.
„Ohne die Begleitung von Ute hätte ich den Einstieg ins Mentaltraining vermutlich nie in dieser Tiefe gefunden. Sie hat den Grundstein gelegt, auf dem ich später aufbauen konnte.“
Dadurch veränderte sich etwas Entscheidendes. Der Wettkampf fühlte sich auf einmal anders an. Die Nervosität war zwar noch da, aber sie bestimmte nicht mehr jede Sekunde.
Und vielleicht erkennen viele Sportschützen genau diesen Punkt irgendwann wieder. Wo der Druck nicht einfach verschwindet, aber sich der Fokus verschiebt. Weg von allem, was passieren könnte. Hin zu dem, was im nächsten Moment tatsächlich wichtig ist. Mentale Stärke entsteht im Schießsport oft genau dort. Wenn der Kopf trotz Unruhe wieder beim Ablauf bleibt.
5 mentale Tipps für Sportschützen vor Wettkämpfen
Wenn du dich in diesen Gedanken wiedererkennst, hol dir hier fünf konkrete Tipps für Wettkämpfe im Schießsport – von mentaler Vorbereitung über Fokus bis zum Umgang mit Nervosität am Stand.
Als ausgerechnet das Stechen ruhiger wurde
Dass sich innerlich etwas verändert hatte, merkte er nicht im Training. Dort hatte vieles schon vorher funktioniert. Wirklich sichtbar wurde es erst in Situationen, in denen der Druck wieder voll da war. In dem Fall bei der Bayerischen Meisterschaft, im Stechen mit zwei Schützen.
Fünf Schuss und zwanzig Sekunden. Früher hätte ihn genau so eine Situation innerlich komplett aufgefressen. Die größte Anstrengung kam dabei nie von den Zuschauern oder vom Gegner, sondern von den Gedanken im eigenen Kopf.
Doch bei der Bayerischen Meisterschaft blieb er sitzen, während sein Gegner die Probeschüsse machte. Er atmete bewusst und ging seinen Ablauf durch. Seine Aufmerksamkeit sollte nicht wieder komplett bei der Nervosität landen.
Auch in diesem Moment war er nicht ruhig. Aber er war klar.
Nach dem ersten Stechen herrschte wieder Gleichstand. Noch einmal zwanzig Sekunden. Noch einmal derselbe Druck. Und trotzdem blieb seine Aufmerksamkeit bei dem, was er beeinflussen konnte: dem nächsten Schuss. Nicht mehr und nicht weniger.
Am Ende gewann er das zweite Stechen mit einem Ring Vorsprung und wurde Bayerischer Meister.
Interessant ist dabei vielleicht weniger der Titel selbst. Sondern die Art, wie er diesen Wettkampf erlebt hat. Der Druck war weiterhin da. Aber innerlich lief deutlich weniger Kampf gegen sich selbst ab.
Was Außenstehende am Schießsport oft nicht sehen
Wer selbst Wettkämpfe schießt, versteht wahrscheinlich ziemlich gut, warum solche Momente lange im Kopf bleiben. Oft nicht einmal wegen der Platzierung, aber wegen dieses inneren Kampfes, den von außen kaum jemand sieht.
Im Schießsport reicht es eben nicht, technisch gut zu sein. Du sitzt alleine am Stand und merkst plötzlich, wie laut Gedanken werden können, sobald etwas wirklich wichtig wird. Vielleicht zweifeln deshalb so viele Sportschützen an sich, obwohl sie nach außen ruhig wirken. Weil dieser Sport mentale Dinge sichtbar macht, die man im Alltag oft überspielen kann.
Der Sportschütze aus dieser Geschichte erlebt Wettkämpfe heute nicht völlig locker oder entspannt. Aber anders. Mit deutlich weniger Kampf gegen sich selbst. Und genau das ist am Ende mentale Stärke im Schießsport: Trotz Puls, Druck und Unruhe den Fokus wieder auf den nächsten Schuss richten zu können.
Deine

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