Warum fühlt sich ein Sport, den ich liebe, manchmal so schwer an?

Mehrfache Deutsche Meisterin Antona Blome erzählt von Rückschlägen im Wettkampf, Mentaltraining und dem Weg zurück zur Freude am Sport

Es gibt Momente im Sport, die jeder kennt.

Die letzten Minuten vor einem Wettkampf gehören dazu.

Wenn das Training längst abgeschlossen ist und sich nichts mehr ändern lässt. Der Körper ist bereit, und trotzdem beginnt im Kopf ein anderes Rennen. Nämlich der leise Zweifel, ob die eigene Leistung heute wirklich abrufbar ist.

Ambitionierte Sportler kennen genau diesen Moment. Manche sprechen darüber. Die meisten behalten ihn aber für sich.

Auch Antonia Blome kennt diese Gedanken.

Als wir Antonia Ende 2024 kennenlernen, gehört sie zur deutschen Nationalmannschaft im Kunstradfahren und ist zweifache Deutsche Meisterin. Auf diesem Niveau entscheiden oft Kleinigkeiten darüber, wer sich für Europa- und Weltmeisterschaften qualifiziert.

Doch ihre Geschichte beginnt nicht mit einem Titel. Sie beginnt mit der Feststellung, dass der Kopf das Kommando übernimmt, obwohl der Körper perfekt vorbereitet ist.

Auf der Suche nach einer Lösung begann Antonia, gemeinsam mit MentalHouse zu arbeiten. Dass sich die Veränderung ausgerechnet in einer Niederlage zeigen würde, konnte damals niemand ahnen.

Wenn Können im Wettkampf nicht mehr erreichbar ist

Stell dir vor, du hast exakt 300 Sekunden, um die Arbeit von Jahren fehlerfrei zu präsentieren. Im Kunstradfahren ist das keine Metapher, sondern die unerbittliche Realität. 30 hochkomplexe Übungen müssen in genau fünf Minuten absolviert werden, während die Uhr gnadenlos abläuft. Es gibt keine Time-outs, kein tiefes Durchatmen und keinen Raum für das kleinste Zögern.

Und genau das liebte Antonia an ihrem Sport. Sie arbeitete an jeder Bewegung, feilte an jedem Detail und wusste genau, wie sich eine Übung anfühlen musste, wenn alles zusammenpasste. Im Training lief auch vieles selbstverständlich. Doch im Wettkampf war es anders. Bewegungen, die sie unzählige Male gefahren war, fühlten sich in Meisterschaften nicht mehr selbstverständlich an.

Sogar Antonias Lieblingskür, der Maute-Sprung, bei dem sie vom Sattel zum Lenker springt, wurde zu einer Hürde. Sie konnte ihn im entscheidenden Moment einfach nicht mehr abrufen. Je häufiger das passierte, desto größer wurde die Unsicherheit. Irgendwann ging es nicht mehr nur darum, ob der Sprung gelingt, sondern ob sie sich überhaupt noch traut, ihn zu fahren.

Sie trainierte weiter. Mit noch mehr Wiederholungen und noch präziser. Doch das Gefühl blieb. An ihrem Können hatte sich nichts geändert. Und genau das machte die Situation so belastend. Denn wie erklärt man sich selbst, dass etwas nicht mehr funktioniert, obwohl man weiß, dass man es kann?

Viele ehrgeizige Athleten, sowohl im Leistungssport als auch bei den Amateuren, kennen dieses Gefühl. Man trainiert hart, investiert Zeit, arbeitet an Feinheiten und trotzdem bleibt im Wettkampf der Frust, nicht zeigen zu können, was eigentlich längst da ist.

Genau an diesem Punkt stand auch Antonia.

„Früher war es bei mir oft so:
Wenn eine Sache im Programm nicht geklappt hat, war für mich plötzlich alles kaputt.“

– Antonia Blome

Die Entscheidung, etwas zu verändern

Irgendwann wurde Antonia klar, dass sie dieses Problem nicht auf dem Rad lösen würde.

Zwar trainierte sie weiter. Sie arbeitete an ihrer Technik, fuhr ihre Programme immer wieder und bereitete sich so gewissenhaft vor wie zuvor. Doch es änderte sich dadurch nichts. Je mehr sie versuchte, das Problem mit noch mehr Training zu lösen, desto deutlicher wurde, dass die eigentliche Ursache woanders lag.

Als Antonia sich entschied, mit dem Team von MentalHouse zu arbeiten, ging es deshalb zunächst nicht um Medaillen oder Titel. Es ging um eine viel grundlegendere Frage:

Warum konnte sie ihre Leistung im Wettkampf nicht mehr so abrufen, wie sie es aus dem Training kannte?

Sie suchte keine Abkürzung. Und sie erwartete auch keine Wunder von ihrem Mentalcoach Jens. Sie wollte nur verstehen, warum ihr Körper etwas konnte, es aber im entscheidenden Moment nicht mehr selbstverständlich funktionierte.

Gemeinsam begannen Jens und Antonia, den Blick auf einen Bereich zu richten, der im Leistungssport oft erst dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn Training allein keine Antworten mehr liefert.

Rückblickend war genau das der Wendepunkt.

Wie Antonia berichtet, haben die mentalen Techniken nach dem Beginn ihres Coachings grundsätzlich recht schnell erste positive Wirkungen gezeigt. Vor allem der Umgang mit Fehlern hatte sich durch gezielte Übungen stark verbessert. Antonia hatte sie regelmäßig im Training ausprobiert und an ihre eigenen Bedürfnisse angepasst. Und als sensationelle Belohnung holte sie sich auch gleich den EM-Titel.

Die vollständige Verinnerlichung spezifischer Methoden benötigte jedoch Zeit, Übung und Geduld. Aber von diesem Moment an begegnete Antonia ihrem Sport anders. Und genau darin lag die Veränderung.

Die Bewährungsprobe

Im Leistungssport gibt es Momente, die alles verändern. Ich spreche allerdings nicht davon, wenn an einem gewissen Punkt alles gelingt. Sondern wenn ein großes Ziel unerreichbar wird. Genau diesen Moment erlebte Antonia als sie ihren Titel von 2025 in der Qualifzierungsrunde zur Europameisterschaft verteidigen wollte.

Nach einem missglückten ersten Wettkampf wusste sie, dass sie sich keinen weiteren Fehler mehr erlauben konnte. Für die beiden verbleibenden Qualifikationen musste praktisch alles passen.

Was dann passierte, beeindruckt mich bis heute.

Antonia schaffte es, unter diesem Druck ihre Leistung abzurufen. Sie kämpfte sich von Platz vier zurück auf Platz drei und sicherte sich damit den Platz als Ersatzfahrerin.

Für die direkte Qualifikation reichte es trotzdem nicht. Wenn man Leistungssport kennt, glaubt man zu wissen, wie sich dieser Moment anfühlt: Frust, Wut und dem nagenden Gedanke an das verpasste Ziel. Doch Antonia erzählt etwas anderes.

Im Gespräch sprach sie vor allem davon, dass sie sich den Platz als Ersatzfahrerin zurückgekämpft hatte. Dass sie Teil der Nationalmannschaft geblieben war. Und dass die beiden Athletinnen ihre Nominierung verdient hatten. Zur Europameisterschaft reiste sie als Ersatzfahrerin und Teamkollegin. Sie bastelte den beiden sogar ein Fanplakat.

Genau an diesem Punkt wurde sichtbar, was sich bei Antonia verändert hatte.

Mentale Stärke zeigt sich nicht daran, dass Rückschläge verschwinden. Sie zeigt sich daran, was danach möglich bleibt.

„Die EM-Quali ist für mich gelaufen, aber die Deutsche Meisterschaft ist ja immer noch und ich bin auch im Training immer weiter motiviert geblieben.“

– Antonia Blome

Drei Wochen später stand die Deutsche Meisterschaft an.

Antonia fuhr nicht mit dem Gedanken auf die Fläche, etwas beweisen zu müssen. Sie wollte ihre letzten fünf Minuten im EM-Trikot einfach genießen.

Sie fuhr ihre persönliche Bestleistung.
Und wurde Deutsche Meisterin.

Im folgenden Interviewausschnitt erzählt Antonia selbst, wie sie die Qualifikation zur Europameisterschaft erlebt hat, mit welchem Gefühl sie mit zur EM gefahren ist und weshalb ausgerechnet ein selbst gebasteltes Fanplakat für mich zu einem der stärksten Bilder ihrer Geschichte geworden ist.

🎧 Audioausschnitt vom Interview (ca. 7 Minuten):

Du möchtest wissen, welche konkreten Werkzeuge Antonia Blome geholfen haben?

Wir haben die mentalen Techniken aus dem Interview für dich als Arbeitsheft zum eigenständigen Üben zusammengestellt. Du erhältst es hier:

Warum ich dir diese Geschichte erzählt habe

Insgesamt ist die Entwicklung der mentalen Stärke ein fortlaufender Prozess. Antonia arbeitet nun seit etwa anderthalb bis zwei Jahren mit MentalHouse zusammen. In dieser Zeitspanne hat sie gelernt, mit Rückschlägen umzugehen und ihr generelles Selbstbewusstsein aufzubauen.

Wenn ich heute auf Antonias Geschichte zurückblicke, denke ich nicht zuerst an ihren Deutschen Meistertitel.

👉🏼 Ich denke an eine junge Sportlerin, die nach einer verpassten Europameisterschaft nicht aufgegeben hat.

„Bis zur letzten Minute habe ich mich durchgekämpft und bin auch fast fehlerfrei gefahren. Das war auch so ein Moment, wo ich mir dachte, das Mentalcoaching hat sich gelohnt. Und am Ende ist es tatsächlich die Medaille geworden.“

– Antonia Blome

👉🏼 Ich denke an den Platz als Ersatzfahrerin, den sie sich trotz des Rückschlags noch erkämpft hat.

👉🏼 Ich denke an ein selbst gebasteltes Fanplakat für ihre Konkurrentinnen.

👉🏼 Und an jemanden, der sich ehrlich für andere freuen konnte, obwohl der eigene Traum gerade geplatzt war.

All das hat mich mindestens genauso beeindruckt wie ihre persönliche Bestleistung.

Manchmal beginnt Höchstleistung genau in dem Moment, in dem wir aufhören, sie erzwingen zu wollen.

Und deshalb wollte ich ihre Geschichte erzählen.

Wenn du Antonias eigenen Worten erleben möchtest, findest du hier das komplette Interview. Ich kann es dir absolut empfehlen. Antonia spricht offen über ihren Weg durch Rückschläge, ihre Entwicklung im Mentaltraining und darüber, was sich bis zur Deutschen Meisterschaft wirklich verändert hat.

🎥 Das vollständige Interview (ca. 40 Minuten) kannst du hier ansehen:

Vimeo

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Ute Stanggassinger - Unterschrift
Sport Mental Coach Ute Stanggassinger lächelt freundlich in Kamara

PS:
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